Das Ensemble

Die 1,5-geschossigen Gebäude aus dem Jahr 1856 gehören, wie auch das „Koeppenhaus“, zu den selten gewordenen Vorstadthäusern. Zusammen mit der Brinkstr. 15, einem der besterhaltenen Arbeiterhäuser, und dem denkmalgeschützten Stephanischen Convent gegenüber, hat dieser Straßenzug eine besondere historische Bedeutung für Greifswald. Das Gebäude- und Hofensemble bot in seiner bewegten Vergangenheit zahlreichen Nutzer*innen Platz. Darunter einer Gastwirtschaft, einem Kolonialwarenladen, einem Friseur und der Theaterwerkstatt. Im Jahr 2008 erfüllte der Bioladen “Sonnenmichel” die Räume mit neuem Leben. Darüber hinaus befinden sich dort Wohnungen, Werkstätten und ein Garten.

 

Die Geschichte des Ensembles

1855/56 errichtete der Zimmermann Johann Fock das Gebäude der Brinkstraße Nr. 17 und den dazugehörenden zweistöckigen Seitenflügel.

1856 wohnten zum ersten Mal Mieter*innen in den Häusern.

1864 baute Johann Fock das Haus in der Brinkstraße 15, verkaufte es aber sofort an den Tischler Neumann.

1864 wurde auch das Gebäude der Brinkstraße Nr. 16 erbaut. Die Häuser dienten eher bescheidenen Wohnzwecken, die Wohnungen wurden von Arbeitern, Tagelöhnern und  Handwerkern bewohnt. Auf Archivplänen ist nachzuvollziehen, dass allein in der Brinkstraße 15 fünf Wohnungen im Erdgeschoss und vier Wohnungen im Obergeschoss zur Miete standen.

1884 wurde in den Räumlichkeiten des Erdgeschosses der Brinkstraße 16-17 von der Witwe Saß eine Gaststätte betrieben. Vorher war in den Räumen ein Kolonialwarenhandel mit Ausschank untergebracht. Im gleichen Jahr ehelichte der Kutscher Carl Bendschneider die Witwe Saß und beide betreiben die Wirtschaft im Haus 16-17.

Beschreibung der Wirtschaftslokalität von Carl Bendschneider:

„Im Hauseingang links ein Laden; dahinter eine Stube (4m lang,4,75mbreit); Etagenhöhe: 3m. Stube hat zwei Fachfenster,auch eine Eingangstür vom Hof. Diese Stube soll als Schankstube dienen. Auf dem geräumigen Hof sind 2 Apartements und 1 Pissior vorhanden.“

1909 ging das Haus Nr. 15 an den Arbeiter Kruse über.

1910 war der Friseur Hans Saß im Erdgeschoss der Brinkstaße 16-17 untergebracht.

Ab 1919 betrieb Hans Saß die Schankwirtschaft

1940 wurde eine Sondergenehmigung zur Verlängerung der Öffnungszeiten (von 20 Uhr auf 22 Uhr) beantragt, da viele Wehrmachtssoldaten der umliegenden Kasernen in der Kneipe ein und aus gingen.

Am 1.3.1946 wurde Schankwirtschaft von Bertha Goers (geb. 1919 in Halle/S.) übernommen.

Beschreibung in den Akten:

„Eigentümer des Hauses:Hans Saß; Brinkstraße 16/17. Wirtschaft besteht ca. 60 Jahre; bisheriger Betreiber (Hans Saß) gibt sie wegen hohen Alters auf. Frau Goers hat das Geschäft zunächst auf fünf Jahre gepachtet. Laden: Lebensmittelgeschäft mit Bierstube.”

Am 28.2.1949 gab Frau Goers die Wirtschaft wegen Zahlungsschwierigkeiten auf. Im selben Jahr übernahm Werner Schulz die Gebäude der Brinkstraße 16-17 und betrieb die Schänke und den Laden weiter bis 1989. Werner Schulz entkernte die Räumlichkeiten stark und die kleinteilige Raumstruktur löste sich auf.

In den 1950er baute Werner Schulz nicht nur das Obergeschoss des Hauses Nr. 16 aus, er veränderte die hölzernen Schuppengebäude des Hofes in Massivbauweise.Er und seine Schwiegereltern bewohnten die nun ausgebauten Wohnungen.

Nach 1989 nutzte das Theater Greifswald die Ladenfläche als Requisitenlager und Unterstellräume. Nach einigen Jahren zog das Theater aus der Brinkstraße aus und die Räume standen leer. Nur die Hinterhof- bzw. Seitenflügelwohnungen waren noch vermietet.

Im Herbst 2008 mietete Hubert Ende die Ladenfläche im Erdgeschoss der Brinkstraße 16.

2009 eröffnete der Bioladen „Sonnenmichel“ im Bereich der ehemaligen Schankstube und des alten Ladenbereiches.

2011 wurde der „Sonnenmichel“ in jetzige die Form umgebaut.

Seit 2012 sind die Gebäude der Brinkstraße 16-17 verkauft und vom Abriss bedroht.

 

Greifswald – Die Geschichte von Zerfall und Abriss

Besucher*innen von Greifswald vermuten oft, dass Teile der Altstadt im Krieg zerstört wurden. Das viele historische Häuser jedoch Opfer von Zerfall und Abriss vor allem in den 1980er Jahren geworden sind, wissen die Wenigsten. Auch nach der Wende sind etliche wichtige Gebäude verloren gegangen, gleichwohl es gelang, einen großen Teil der noch vorhandenen Alt- und Vorstadtgebäude zu sanieren. Doch auch heute sind bedeutende Baudenkmäler und erhaltenswerte Gebäude massiv von Zerfall und Abriss bedroht. Dazu gehören mit einem der letzten erhalten Vorstadthäusern die Brinkstr. 16-17 und die Stralsunder Str. 10-11, das letzte aus dem 19. Jh. erhaltene Konzert- und Gesellschaftshaus in M-V mit seinem eindrucksvollen Emporensaal.


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