07.02.2015 | Pressemitteilung zum Abriss der Brinke16-17 und zur Backsteinaktion

Am Montag den 02.02.2015 wurde der letzte Teil des Häuserensembles in der Brinkstraße 16/17 abgerissen. Der letzte verbliebene Mieter Herr Ende, der Betreiber des Bioladens Sonnenmichel, hatte am Morgen den Schlüssel zu den gemieteten Räumen der anwaltlichen Vertretung des Eigentümers übergeben. Bauunternehmer und Eigentümer Roman Schmidt blieb dem Termin fern. Keine Stunde später begann der Abriss des Ladens. Wie bereits beim Teilabriss im vergangenen November, wurden eilig und ohne Sicherheitsmaßnahmen die Räume zerstört. Anwohner*innen waren über diesen Schritt nicht informiert worden , die Straße war mangelhaft gesichert worden und Staub und Bauschutt flogen frei durch die Luft. Die Initiative “Brinke16-17 erhalten!” sieht die Art des Vorgehen durch die Angst vor einer erneuten Besetzung motiviert. Vertreter*innen der Initiative äußerten sich am Montag enttäuscht über die Abwesenheit des Eigentümers Herrn Schmidt. “Nicht einmal in diesem Moment hat er den Mut uns in die Augen zu schauen.”

Die Initiative “Brinke16-17 erhalten!” hatte in den letzten zwei Jahren auf unterschiedliche Weise versucht das Hofensemble in der Brinkstraße zu retten und es als alternativen Wohn- und Kulturraum auszubauen. Kleine Betriebe, Werkstätten, Veranstaltungsräume und ein Wohnprojekt sollten vereint – so der Traum der Initiative – auf dem Gelände der Brinkstraße 16-17 verwirklicht werden und sich zu einem Stadtteiltreff entwickeln. Der Abriss hat den zweijährigen Prozess nun abrupt beendet.

Und dass obwohl alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, die Gebäude zu erhalten. Der historische Wert der Gebäude, der offen formulierte Unmut eines großen Teil der Bürger*innen dieser Stadt, und alle Vermittlungs- & Kooperationsangebote von Seiten der Initiative wiegen zusammen schwächer als die persönlichen Interessen eines Einzelnen Bauunternehmers. Das Eigentumsrecht wird von Stadtpolitik und -Verwaltung als unümstößliche Größe bewertet und durchgesetzt.

Für die Initiative hat die Brinkstraße 16-17 einen symbolischen Charakter für die aktuelle Entwicklung der Stadt erlangt. „Blicken wir auf die Stadt Greifswald sehen wir, wo an vielen Stellen alte Gebäude den Profitinteressen Einzelner weichen müssen. Treffpunkte des sozialen Austausches werden ersetzt durch die grauen, immer gleichen Fassaden überteuerter Eigentumswohnungen. Genehmigt und getragen wird dies durch eine Stadt, die dabei nur auf ihren kommunalen Haushalt schaut und gar nicht merkt, wie Hafen und Innenstadt mehr und mehr ihrer Freiräume beraubt werden. Ob es Unwille oder mangelnder Mut sind, egal. Die Politik und Stadtverwaltung schöpft über ihre Ämter (Bauamt, Liegenschaftsamt) die Möglichkeiten ihrer Einflussnahme auf eine soziale und kulturelle Stadtentwicklung nicht aus. Gleichzeitig entbinden Sie sich zunehmend ihrer Aufgabe und überlassen Investor*innen und Planungsbüros die Gestaltung unserer Stadt.“ so eine Vertreter*in der Initiative

Aus diesem Versagen heraus, wird die Notwendigkeit des Protestes umso deutlicher. Es war wichtig, dass die Menschen dieser Stadt an dem Erhalt der “Brinke16/17” nach dem Bekanntwerden des geplanten Abrisses festgehalten haben. Die Proteste und Aktionen haben überregionale Öffentlichkeit erzeugt, das Bewusstsein für Stadtentwicklung gestärkt und den kritischen Blick auf Investor*innen und das Handeln von Politik und Verwaltung geschärft. Gleiches gilt für die Rückschläge, die die Unterstützer*innen der Brinkstr. 16/17 in dieser Zeit erfahren haben. Das ignorante Verhalten des Eigentümers , die Proteste erschwerenden Auflagen der Verwaltung, die gewaltsame Räumung des Hauses durch 200 Polizist*innen.

Auch wenn mit dem Abriss des Ensembles der Kampf um die Brinkstraße 16/17 ihr Ende gefunden hat, bleiben die Konflikte und Fragen bestehen. Was zählt in dieser Stadt mehr? Die Einzelinteressen von Investoren oder das öffentliche Interesse? Eigentumswohnungen oder bezahlbarer Wohnraum? Abriss und Neubau oder die Sanierung historischer Gebäude? Die Vermarktung der Stadt oder der Erhalt von Freiräumen?

Mit der BackStein-Aktion am Samstag, den 07.02.2015 möchte die Initiative die Menschen Greifswalds dazu einladen ihre Vorstellung einer sozialen Stadtentwicklung selbst in die Hand zu

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