Mo | 27.10.14 | Redebeitrag zur Bürgerschaftssitzung

Guten Abend liebe Bürgerinnen und Bürger, geehrte Bürgerschaft,

Uns, die Initiative „Brinke 16/17 erhalten“, kennen Sie bereits. Wir stehen hier nicht zum ersten Mal mit unserem Anliegen den Gebäudekomplex Brinkstraße 16 bis 17 zu retten. In der Zeit hat sich vieles entwickelt und vor allem haben wir uns verändert. Ein großer Unterstützer*innenkreis hat sich gebildet mit vielen Menschen, die mit viel entbehrter Zeit und Mühe versuchen, das Haus auf legalem Wege zu erhalten. Sicher haben Sie die Entwicklungen um diesen Gebäudekomplex medial mitverfolgt und wissen, dass es darüber hinaus ein starkes und wachsendes öffentliches Interesse gibt – gezeigt an mehreren hundert Menschen bei Demonstrationen und Straßenfesten, den vor einem halben Jahr gesammelten 1.000 Unterschriften, dem regen Treiben um und im Haus während der täglichen Mahnwachen.Greifswald ist in den 1980er Jahren Exempel des systematischen Verfalls geworden. Die breite emotionale Kritik und das Unverständnis der Bürger*innen über den Abriss alter und historisch wertvoller Gebäude halten bis heute an. Das zeigt sich auch durch die Besucher*innenzahl von 20.000  Menschen der Ausstellung „Heimatkunde“ des Architektur-Fotografen Robert Conrad im Pommerschen Landesmuseum. Auch er unterstützt unser Anliegen.

Jetzt droht das Ensemble in der Brinkstraße 16/17 sich in die Abriss-Chronologie einzufügen. Die Zeit drängt enorm! Die rechtliche Lage in Bezug auf das Mietverhältnis zwischen dem Bioladen und dem jetzigen Eigentümer Roman Schmidt ist durch einen Urteilsspruch am Donnerstag letzter Woche verlesen worden. Dem Bioladen steht somit die baldige Räumung bevor – die Endgültigkeit naht, da dem Haus kein verfahrensrechtlicher Schutz mehr besteht. Und dennoch geben wir alles, um dieses Haus zu retten – Wir geben nicht auf und wir bitten Sie, uns auch nicht aufzugeben!

DENN: Zu viele Fakten und Umstände sind noch ungeklärt und rechtfertigen die Vorgehensweise und Entscheidungslage in keinster Weise. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung! Der richterliche Beschluss der letzten Woche hat uns besonders enttäuscht, weil er das Interesse der Öffentlichkeit und das Potential der offenen Räume, hier wirklich einen Stadtteiltreff zu eröffnen, völlig ignoriert! Die sozial-gesellschaftliche Funktion dieses Hauses ist bis jetzt in keinster Weise gewürdigt worden. Das Engagement der Bürger*innen und der entstandene Nachbarschaftstreff sind, genau wie das Haus erhaltenswert. Auf der rechtlichen Ebene gibt es dafür aber keinen Schutz.

Des Weiteren stellen wir die Abrissgenehmigung aus Denkmalschutzgründen in Frage. Der Abrissantrag muss unserer Meinung nach so lange aussetzen bis die Lage geklärt ist. Das Prüfverfahren läuft noch. Der Widerspruch ist eingereicht und ein weiteres Gutachten wird vorgelegt. Setzen Sie das Gebäude auf die Denkmalliste! Bitte Prüfen Sie auch das Ablehnungsgutachten. Nehmen Sie es ernst. Wir haben mit Bauhistoriker*innen gesprochen, die sich sicher sind, dass dieses Haus einen historischen Wert hat.

Auch zum Bauvorhaben gibt es Zweifel. Wir sind uns sicher, dass der Bauantrag nicht der Landesbauordnung entspricht. Die Bauhöhe des Nachbarhauses in der Bleichstraße 48a, direkt nebenan, ist mit 18,91m schon zu hoch. Das geplante mehrstöckige Haus soll genauso hoch werden. Auch wurde die Frage nach der Einfügung des Neubaus in die Umgebung bei der Baugenehmigung völlig vernachlässigt. Beides gilt es zu prüfen.

Hier tun sich Grenzen auf, wo uns als Bürger*inneninitiative die Hände gebunden sind und wir nicht weiter kommen. Hier brauchen wir konkret ihre Hilfe. Es bedarf der Akteneinsicht, u.a. in die Bebauungspläne und der Überprüfung des Bauantrags. Einen durch die Bürgerschaft beschlossenen Gebäudeschutz, sodass das Haus nicht abgerissen wird und auf die Denkmalliste kommt, oder Teil der Erhaltungssatzung wird. Es benötigt Zeit, diese Unklarheiten beantworten zu können und wir wollen nicht durch Ungeduld und Fehlerhaftigkeit ein weiteres bauliches Zeitdokument verlieren.

Sie als neue Bürgerschaft haben eine Reihe an Möglichkeiten, die ausgeschöpft werden können. Lernen Sie uns kennen, informieren Sie sich. Wir appellieren an Ihre Kreativität. Wie wäre es mit einer klaren politischen Positionierung, die den Erhalt der Brinke 16-17 begrüßt? Als Symbolkraft für eine bürgerlich getragene Stadtentwicklung, in der die Bedürfnisse der Bürger*innen VOR jenen der Investor*innen stehen. Geben Sie unserem Anliegen eine reale Chance. Es besteht weiterhin der Wunsch nach einem direkten Gespräch mit dem Eigentümer Herrn Roman Schmidt, um in kleiner Runde nach Möglichkeiten zu suchen. Vermitteln Sie für uns!

Das sind viele Ideen, die auch in ihren Köpfen reifen müssen. Sie haben heute noch eine lange Tagesordnung vor sich. Aber bitte nehmen Sie sich in den nächsten Tagen die Zeit. Sie wissen wo Sie uns finden.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.